Jüdischen und katholischen interreligiösen Paares in Deutschland nach ihrer religiösen Hochzeit mit einem Rabbiner und einem Priester.

For couples seeking a rabbi in Europe

Auf dieser Seite finden Sie einige Informationen in deutscher Sprache.

Die folgende Website eröffnet Ihnen die Möglichkeit, einen Rabbiner zu finden: er lebt in London, kommt aber auch zu Ihnen.  Er bietet an, Zeremonien durchzuführen, die mit den verschiedenen Lebenszyklen wie Geburt, Hochzeit und Tod verbunden sind.

Wenn Sie auf dieser Seite angelangt sind, kennen Sie wahrscheinlich keinen Rabbi oder der Rabbiner in Ihrer Region kann oder möchte Ihnen nicht helfen.

Eine der meist gestellten Fragen ist, wie man einen Rabbiner ausfindig macht, der Zeremonien für Paare unterschiedlicher Religionen, z.B.  eine Trauung oder die Namensgebung eines Kindes, vornimmt oder sogar mit einem Vertreter der jeweils anderen Religion zusammenarbeitet.  Andere mögliche Anlässe, die einen Rabbiner notwendig machen könnten, wären ein Begräbnis oder eine Feuerbestattung.

Zunehmend suchen auch gleichgeschlechtliche Paare, deren Lebensgemeinschaften in Europa immer häufiger anerkannt werden, einen Rabbiner, um eben diese Gemeinschaft religiös zu feiern.
 
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Interreligiöse Hochzeiten

Eines der Probleme, mit dem sich heute alle Religionen auseinandersetzen müssen, ist, wie ererbte Traditionen in Einklang mit den Bedürfnissen der Gemeinden gebracht werden können.

Die meisten Glaubensrichtungen gehen davon aus, daß sie all das Wissen schützen müssen, das durch göttliche Offenbarung, kulturelle Entwicklung und historische Erfahrung gewonnen worden ist. Von den Menschen erwartet man, dem zu entsprechen oder ihr Verhalten dahingehend zu ändern, daß sie sich in die ererbte Praxis einfügen, obgleich die Tradition selbst niemals eine statische war, sondern sich immer weiterentwickelt hat. Die Bemühungen, Tradition und Moderne in Einklang zu bringen, haben im Judentum zwei Haltungen hervorgebracht. Zum einen gibt es die orthodoxe Einstellung. Diese zielt darauf ab, die sich selbst regulierenden, selbst erhaltenden und von selbst fortwährenden Gemeinschaften der Vergangenheit nachzuahmen. Sie rühmt solche Juden, die sich dem anschließen und äußert sich kaum über andere, die dies nicht tun. Doch wie schon das Musical „Fiddler on the Roof“ zeigte, waren die traditionellen Werte sogar im Stetl von nur begrenzter Bedeutung, wenn etwa die Töchter darauf bestanden, sich ihre Ehemänner selbst auszusuchen.

Zum anderen gibt es die liberale Haltung, die darin besteht, Tradition und Brauchtum zu reformieren, wobei eine größere Flexibilität gezeigt wird. Aber auch das hat seine Grenzen. Eine dritte Möglichkeit wäre es, die soziologische Wirklichkeit in eine religiöse Herausforderung zu verwandeln. Das Judentum hat in seinen kreativsten Zeiten immer versucht, die wichtigsten Momente im Leben der Menschen zu heiligen. Judentum war immer dann am besten, wenn es der Wirklichkeit am nächsten kam. Dies wurde erreicht, indem man den neuen und tatsächlichen Situationen, in denen Menschen sich befanden, Heiligkeit verlieh. Man brachte Verständnis auf, statt zu verdammen.

Doch einige Praktiken erscheinen aufgrund von Konvention und Gewohnheit gegenwärtig als derart inakzeptabel, daß es schwierig geworden ist, von Neuem über sie auch nur nachzudenken und zu überprüfen, ob sie immer noch passen. Oft gehen die Einstellung, ein Tabu und die damit verbundenen Sanktionen aufrechtzuerhalten, und die Gründe, die es ursprünglich einmal gerechtfertigt hatten, weit auseinander. Die Weisen und Autoritäten der antiken Vergangenheit helfen in der Gegenwart jedoch nicht immer weiter. Die Erkenntnisse heutiger, außerhalb des Judentums stehender Wissenschaften, waren ihnen unbekannt. Einige der Dilemmas, vor denen die gegenwärtige Gesellschaft steht, sind jenseits dessen, was im rabbinischen Schrifttum in Betracht gezogen wurde. Nicht alles, was aus der Vergangenheit ererbt ist, läßt sich heute anwenden. Es ist uns erlaubt, unsere Intelligenz und unser Bewußtsein einzusetzen, wenn wir Moralität und Ethik entwickeln. Rituale und Tradition haben nur dann Wert, wenn sie in einem Kontext stattfinden, der das geistige und gemeinschaftliche Leben derer einschließt, die sie betreffen.

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Viele der Erklärungen, die heute von religiösen Führern geäußert werden, wie inspirierend oder verdienstvoll sie auch sein mögen, haben nur wenig Auswirkung. Vielmehr spiegeln sie den Graben zwischen religiösen Idealen und menschlicher Realität wider. Dieses Mißverhältnis führt möglicherweise auf beiden Seiten zu Unzufriedenheit und Enttäuschung. Rabbiner können sich nicht einerseits über Leute beschweren, die ihre Synagogen nicht besuchen, wenn man andererseits von ihnen nicht das Gefühl vermittelt bekommt, daß sie auf die religiösen Bedürfnisse ihrer Gemeinden eingehen. Es überrascht kaum, daß Menschen aufhören, Synagogen zu besuchen, wenn sie sich (ob zu Recht oder zu Unrecht) abgewiesen und beleidigt fühlen, oder wenn es keinerlei Hilfsbereitschaft gibt, die Wahl ihres Lebenspartners religiös zu feiern.

Die meisten Rabbiner fühlen sich durchaus in die Notlage gemischt-religiöser Paare ein. Sie sind bewegt, doch bestenfalls bieten sie eine Konversion an, oder aber sie schicken solche Paare fort. Für einen erheblichen Teil der Gemeindemitglieder ist jedoch nicht allein die rabbinische Interpretation der jüdischen Gesetze das Kriterium, mit welchem sie ihre religiöse Identität ausdrücken. Sie beziehen sich vielmehr auf eine Mischung von Erinnerung, Symbolen und Solidarität.

Der Haupteinwand gegen gemischt-religiöse Ehen ist, daß sie eine Bedrohung für die Fortexistenz des jüdischen Volkes seien. Das Überleben ist für die Nach-Holocaust-Generation eine besonders große Sorge. Doch die Angst, ob die Eltern jüdische Enkel haben werden, ist wenig hilfreich. Sie bedeutet, Kinder zu haben, sei bereits die Definition für eine erfolgreiche Ehe. Das mag in der Vergangenheit gestimmt haben, doch heute zählt in erster Linie die Qualität der Beziehung zwischen den Partnern. Großeltern geht es oft mehr darum, daß die Enkelkinder – egal welcher Religion – gesund und glücklich sind und daß sie in einer geschützten Umgebung aufwachsen können. Hier hat das Judentum sicherlich eine Rolle zu spielen, aber es verfügt nicht über das Monopol.

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Selten sieht man in jüdischen Medien Einzelheiten, Bilder oder Ankündigungen von gemischt-religiösen Hochzeiten. Doch diese finden statt, sie sind die Nachricht, aber es wird nicht darüber berichtet. Sogar innerhalb rabbinischer Vereinigungen oder Gemeindeorganisationen ist es ein zu schwieriges Thema, um offen und ehrlich darüber zu diskutieren. Es wird, zumindest nach meiner Erfahrung, auch nicht ernsthaft als Teil der rabbinischen Ausbildung behandelt. Bei einer Rate von 40 Prozent gemischt-religiösen Paaren in Großbritannien, kann man sich jedoch fragen, wie viele interkonfessionellen Paare noch nötig sind, bevor sich die Einstellung ändert. Wie lange kann Theologie der Demographie widerstehen?

Viele Paare wünschen sich eine religiöse Zeremonie, bei der es eine vertraute jüdische Präsenz gibt. Eine, bei der ein Rabbiner amtiert, die aber Elemente enthält, in denen beide Familien ihre Herkunft wiedererkennen. Dies kann eine Hochzeit, eine Lebenspartnerschaft-Zeremonie, ein Segen für ein Kind, eine Beerdigung oder eine Einäscherung sein. Wenn der interreligiöse Dialog ernst genommen werden soll, muß er größere Auswirkungen haben als gelegentliche Treffen, Bildungskurse und akademische Texte. Er muß sich in unserem Gebetbuch, Gemeindeleben und unserer Bereitschaft, gemeinsam mit anderen zu amtieren, niederschlagen. Dies schließt auch den Willen ein, die Glaubensrichtungen, Werte und Anliegen anderer Religionen oder jener, die keine haben, wertzuschätzen, und nicht nur unsere eigenen. Es bedeutet, die Vielfalt sexueller Entscheidungen anzuerkennen.

Es gibt viele Stimmen im zeitgenössischen Judentum. Unter ihnen befinden sich das Bedürfnis nach und der Platz für einen Rabbiner in Europa, der bereit ist, öffentlich gemischt-religiöse Vereinigungen zu feiern, ebenso wie andere Zeremonien des Lebenszyklus. Solche Ereignisse stehen derzeit außerhalb des jüdischen Gesetzes, aber das bedeutet nicht, daß sie keinen Wert, keine Bedeutung oder keine Wichtigkeit haben. Die Mehrheit der Juden lebt nicht mehr in einem Ghetto. Wenn Juden sich dafür entscheiden, in freien, aufgeklärten und pluralistischen Gesellschaften zu leben, sind gemischt-religiöse Ehen eine der natürlichen und normalen Konsequenzen. Man kann nicht das eine ohne das andere haben.

Rabbiner Guy Hall

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Ein Rabbi für alle Fälle16513-1160x580-c-default

GROSSBRITANNIEN

Rabbiner und Psychoanalytiker: Guy Hall
Foto: Daniel Zylbercstajin
Guy Hall traut interkonfessionelle und gleichgeschlechtliche Paare
von Daniel Zylbersztajn
 25.08.2014 18:40 Uhr

Der rundliche Mann im Anzug und mit der schwarzen Brille, der da in einem Café eines Londoner Bahnhofs sitzt, sieht elegant und intellektuell aus. Auf die Tatsache, dass er Psychoanalytiker ist, hätte man sicherlich kommen können. Aber so ganz ohne Bart und Kopfbedeckung, geschweige denn Kippa, hätte wohl kaum jemand geahnt, dass er auch Rabbiner ist. Guy Hall ist einer der wenigen Rabbiner in Großbritannien, die vollkommen unabhängig arbeiten und keiner der größeren oder kleineren Gruppen angehören. Ohne Gemeinde reagiert er auf Anfrage und ist inzwischen zu einer bekannten Adresse vor allem für interreligiöse und gleichgeschlechtliche Hochzeiten sowie für andere Zeremonien geworden, bei denen ein Rabbiner benötigt wird. Halls Unabhängigkeit ist eine Folge seiner Einstellung zu solchen Trauungen. Seine Ansichten dazu gingen der Vereinigung liberaler Juden, der er bis vor 20 Jahren angehörte, zu weit. Rabbi Hall wurde gebeten, seine Meinung zu ändern – oder auszutreten. Er wählte Letzteres. Seitdem macht er allein weiter – nach eigenen Angaben mit bis zu 60 Zeremonien pro Jahr. Im Laufe der Zeit hat das britische Reformjudentum jedoch seine Einstellung gegenüber interreligiösen und gleichgeschlechtlichen Trauungen geändert und zu einer Position gefunden, die nahezu mit der von Hall übereinstimmt. »Theoretisch könnte ich jetzt wieder liberaler Rabbiner werden, aber man hat mich bis heute nicht zurückgerufen«, erklärt Hall mit einer Stimme, aus der sowohl Bedauern als auch ein wenig Verärgerung spricht.

NACHFRAGE 
Auf die vergangenen zwei Jahrzehnte seiner Arbeit blickt Hall durchweg positiv. »Auch heute wollen die meisten Rabbiner immer noch ihre Mitglieder ändern, um sie bestimmten Formen des Judentums anzupassen. Ich hingegen versuche, das Judentum den wahren Anforderungen der Menschen und ihrem Leben anzugleichen.« Zu dieser Haltung mag auch der Psychotherapeut in ihm beigetragen haben. Denn als er noch als Gemeinderabbiner amtierte, habe ihn kaum jemand nach Talmudzitaten gefragt, sondern viel häufiger sei es um Scheidungen, Arbeitslosigkeit oder den Tod gegangen, so Hall.
Auf die Frage, weshalb er Ehen zwischen Juden und Nichtjuden unterstützt, erinnert er sich an seine Kindheit: Er wuchs mit Eltern aus der Schweiz und dem Elsass in England zweisprachlich auf. »Die Schulleitung versuchte jedoch, meine Mutter dazu zu bewegen, mit mir nicht mehr Französisch zu sprechen, denn das würde mich behindern – so die damalige Auffassung.« Hall erklärt, dass er damals wie heute der Meinung ist, man müsse zu allem stehen, was man ist. Das Gegenteil bedeute Unterdrückung. Das sei auch der Grund, weshalb er im Alltag keine Kippa trage, denn sein Glaube sei eine innere Angelegenheit und nichts Äußerliches. »Bei den Zeremonien bin ich jedoch gemäß den Erwartungen gekleidet«, sagt der Rabbiner.

BRÄUCHE 
Hall betont, dass er, wenn beide Partner jüdisch sind, die Trauungen nach traditionellem Ritus durchführt. »Ist aber einer der beiden nicht jüdisch, dann wird es eher eine Zeremonie mit einigen jüdischen Bräuchen, einer modifizierten Ketuba, den sieben Brachot und einer Chuppa«, erzählt er. Die Abänderungen nehme er unter anderem vor, weil man heute niemandem mehr zumuten könne, bis zur Ehe enthaltsam zu leben, oder dass ein Partner wegen der Heirat zum Judentum konvertieren müsse.
Hall führt diese Zeremonien auch gemeinsam mit progressiven Imamen, Pfarrern oder Priestern durch und verfügt dabei über ein internationales Netzwerk von Kollegen anderer Religionen. Auch Atheisten und Agnostiker verheiratet er so mit jüdischen Partnern. Eine Situation, in der er eine Trauung hätte ablehnen müssen, hätte es bis heute nicht gegeben, sagt er.

GEBETE 
»Wichtig ist, dass die Orte, an denen die Zeremonien stattfinden, neutral sind – also weder Synagoge noch Kirche«, empfiehlt Hall. Im Gegensatz dazu könne man den Angehörigen jedoch durchaus ein Gebet der anderen Seite zumuten. »So viel Toleranz müssen alle aufbringen«, darauf besteht Hall. Unflexibel ist er hingegen, wenn ein Paar am Schabbat getraut werden möchte. »Das tue ich nicht; ich fühle mich der Tradition verpflichtet.«
Hochzeiten außerhalb des Stammes der Israeliten sind auch dem Tanach nicht unbekannt. Hall nennt als Beispiele die biblischen Frauen Esther und Ruth. Wie sich ein Ehepaar genau sieht und definiert, überlässt Hall den zukünftigen Ehepartnern, denn, so sagt er, »es muss echt sein«. Das Schlimmste sei, »wenn sie etwas verheimlichen, weil sie meinen, der Rabbi würde das nicht gestatten«. Ein Ehepaar aus Österreich, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, spricht in höchsten Tönen von ihrer Trauung, die Rabbi Hall vor etlichen Jahren zusammen mit einem freien Theologen durchgeführt hat. Die Frau ist jüdisch, der Mann war früher Katholik. »Die Anwesenheit von Rabbi Hall war für die Familie meiner Frau sehr wichtig, denn sie hängt sehr an Traditionen«, erzählt der Mann. Ihr gemeinsamer Sohn sei beschnitten und besuche eine jüdische Schule. Laut Hall ist dies keinesfalls das Ziel seiner Arbeit, sondern es gehe ihm vor allem um die momentanen Bedürfnisse der beiden Partner.

ERFAHRUNGEN 
Neben seinen Aufgaben als Rabbiner und Psychoanalytiker verbringt Hall seine Tage unter anderen mit einigen »seiner Ehepaare«, die inzwischen zu Freunden geworden sind. Manchmal muss er trotz der vielen glücklichen Geschichten seine Begeisterung jedoch zügeln.
Zum ersten Mal geschah dies etwa drei Jahre, nachdem er begonnen hatte, Menschen den Segen für ihr gemeinsames Leben zu erteilen: Hall musste damals erleben, dass sich eines der Paare scheiden ließ. Trotzdem will der Rabbiner seine Erfahrungen aus 27 Jahren als jüdischer Heiratsgehilfe demnächst in einem Buch weitergeben.

Ein Rabbi für alle Fälle | Jüdische Allgemeine

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